Monatsgedanken März 2026

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Neue Wege
Neulich erzählte eine Freundin von ihrem letztjährigen Vorhaben. Sie hatte sich als Jahresziel vorgenommen, möglichst vieles auf neue Art zu machen, angefangen damit, ihre Zähne mit der linken Hand zu putzen. Was klein anfing, hatte grosse Auswirkungen auf ihr Leben.

Ich war beeindruckt. Zwar wusste ich schnell, dass das mit dem Zähneputzen bei mir von vornherein zum Scheitern verurteilt war. Frau kennt sich ja mit der Zeit. Aber hin und wieder absichtlich etwas anders machen als sonst, fand ich als Idee recht verlockend.

Ein paar Tage später auf dem Hundespaziergang nahm dann auch ich eine Abzweigung, die ich noch nie genommen hatte. Unerklärlicherweise, denn hundert Meter weiter stiess ich im Wald auf einen idyllischen kleinen See, angelegt von einem Biber. Ich vermute, dass auf diejenigen, die das angrenzende Land bewirtschaften, dieser See nicht dieselbe romantische Wirkung hatte wie auf mich. Ich aber konnte nicht fassen, was für eine Welt sich mir dort öffnete. So etwas Schönes! Lange stand ich, schaute und sog die Umgebung mit allen Sinnen in mich auf.



Auf dem Nachhauseweg kam ich ins Grübeln. Wie kann es sein, dass ich als Hundehalterin fast zwanzig Jahre lang hier wohne und diese Waldecke noch nie gesehen habe? Was entgeht mir sonst alles noch, nur weil ich aus Gewohnheit immer dieselben Wege nehme?

Heute morgen war der Biberbau weggeräumt und der See verschwunden. Eine märchenhafte Ecke ist es immer noch. Sie macht mir Lust, noch weitere unbekannte Abzweigungen zu nehmen und zu entdecken, was hinter der Wegbiegung auf mich wartet.

Diese Erfahrung öffnet mir auch einen Zugang zur Jahreslosung 2026. «Siehe, ich mache alles neu!», hört dort der Autor des Buches der Offenbarung Gott in seiner Vision sprechen. Ich habe zwiespältige Gefühle, wenn ich diesen Bibelvers lese. Ich mag es nicht, wenn wir Gott alles delegieren, nur um uns bequem zurückzulehnen. Und erst recht mag ich den Zynismus derjenigen nicht, die angesichts der Weltlage unberührt mit den Schultern zucken und sagen, diese Welt sei sowieso dem Untergang geweiht. Es stehe ja schon in der Bibel, dass Gott am Ende der Zeit alles neu schaffen werde.

Nun habe ich den Jahresbibelvers am eigenen Leib erfahren: Göttin Gott schafft Neues, wenn ich bereit bin, neue Pfade zu gehen.

Da bin ich ja gespannt, was noch alles kommt.

Lilian Fankhauser
Pfarrerin in der Kirchgemeinde Rapperswil-Wengi