Bereitgestellt: 01.06.2026
Einmal um den Mond und zurück
Die Erde ganz klein – so wirkte sie auf einem Bild in der Tageszeitung Mitte April. Und als ich den Bericht über die Artemis II – Mission las, die den Mond umrunden soll, kam mir ein altmodisches Wort in den Sinn: Demut.
Manchmal wäre es praktisch, man könnte kurz wegfliegen. Nicht für lange. Nur schnell – einmal um den Mond und zurück. Und dann würde man plötzlich die Erde aufgehen sehen. Kein riesiger, bedeutungsschwerer Planet, sondern eher: ein hübscher, ziemlich zerbrechlicher Ball.
Von dort oben sieht man erstaunlich wenig von dem, was uns hier unten so beschäftigt. Keine Kriege. Keine Klimaerwärmung. Keine religiösen Streitereien. Keine hitzigen Kommentarspalten. Und erst recht keine Gartenzäune. Keine Staus. Keine Steuererklärung. Nicht einmal die Person, über die man sich gestern noch so geärgert hat.
Das ist einerseits beruhigend. Andererseits auch entlarvend.
Denn vieles von dem, was uns riesig erscheint, schrumpft mit etwas Abstand ziemlich.
Abstand gewinnen lässt sich nicht nur mit einer Rakete. Mir helfen oft ein Gebet, auch ein Spaziergang, ein gutes Gespräch oder eine Nacht «drüber schlafe». Wobei der Abstand nicht bedeutet, dass alles unwichtig und relativiert wird. Ein Zitat der NASA in besagtem Artikel spricht von «der einzigen Welt, die wir je gekannt haben» (1). Der Abstand wirft uns auf uns selbst zurück:
Demut bedeutet nicht, sich kleinzumachen. Es bedeutet, sich einzuordnen. Zu erkennen, dass wir Teil eines grösseren Ganzen sind – getragen, aber auch verantwortlich. Für die Welt, die wir bewohnen. Und für die Menschen und Lebewesen, mit denen wir diesen blauen Planeten teilen,der still durchs All reist.
Und von dem in vielen Bibeltexten gesagt wird, dass diese blaue Kugel nicht ein Zufallsprodukt ist, sondern gewollt, geschaffen, geliebt – und wir damit. Oder wie das in Psalm 8 auf den Punkt gebracht wird:
Ich bestaune den Himmel, das Werk deiner Hände, den Mond und alle die Sterne, die du Gott
geschaffen hast: Wie klein ist da der Mensch, wie gering und unbedeutend! Und doch gibst du
dich mit ihm ab und kümmerst dich um ihn!
Das tut gut: ab und zu ein Blick nach oben. Und nach innen.
Pfrn. Rahel Hofer
(1) «der Bund» vom 13. April 2026, S.28.
Manchmal wäre es praktisch, man könnte kurz wegfliegen. Nicht für lange. Nur schnell – einmal um den Mond und zurück. Und dann würde man plötzlich die Erde aufgehen sehen. Kein riesiger, bedeutungsschwerer Planet, sondern eher: ein hübscher, ziemlich zerbrechlicher Ball.
Von dort oben sieht man erstaunlich wenig von dem, was uns hier unten so beschäftigt. Keine Kriege. Keine Klimaerwärmung. Keine religiösen Streitereien. Keine hitzigen Kommentarspalten. Und erst recht keine Gartenzäune. Keine Staus. Keine Steuererklärung. Nicht einmal die Person, über die man sich gestern noch so geärgert hat.
Das ist einerseits beruhigend. Andererseits auch entlarvend.
Denn vieles von dem, was uns riesig erscheint, schrumpft mit etwas Abstand ziemlich.
Abstand gewinnen lässt sich nicht nur mit einer Rakete. Mir helfen oft ein Gebet, auch ein Spaziergang, ein gutes Gespräch oder eine Nacht «drüber schlafe». Wobei der Abstand nicht bedeutet, dass alles unwichtig und relativiert wird. Ein Zitat der NASA in besagtem Artikel spricht von «der einzigen Welt, die wir je gekannt haben» (1). Der Abstand wirft uns auf uns selbst zurück:
Demut bedeutet nicht, sich kleinzumachen. Es bedeutet, sich einzuordnen. Zu erkennen, dass wir Teil eines grösseren Ganzen sind – getragen, aber auch verantwortlich. Für die Welt, die wir bewohnen. Und für die Menschen und Lebewesen, mit denen wir diesen blauen Planeten teilen,der still durchs All reist.
Und von dem in vielen Bibeltexten gesagt wird, dass diese blaue Kugel nicht ein Zufallsprodukt ist, sondern gewollt, geschaffen, geliebt – und wir damit. Oder wie das in Psalm 8 auf den Punkt gebracht wird:
Ich bestaune den Himmel, das Werk deiner Hände, den Mond und alle die Sterne, die du Gott
geschaffen hast: Wie klein ist da der Mensch, wie gering und unbedeutend! Und doch gibst du
dich mit ihm ab und kümmerst dich um ihn!
Das tut gut: ab und zu ein Blick nach oben. Und nach innen.
Pfrn. Rahel Hofer
(1) «der Bund» vom 13. April 2026, S.28.
