Bereitgestellt: 01.01.2026
Ankommen im neuen Jahr
Der Januar ist ein Monat des Dazwischen, des Übergangs, ein stiller Raum zwischen Abschied und Aufbruch. Rund um den Jahreswechsel haben Menschen seit jeher Bräuche gepflegt, die heute oft folkloristisch wirken, aber einst aus einer tiefen, fast archaischen Angst entstanden sind: der Angst vor dem Zeitloch zwischen altem und neuem Jahr. Wenn die vertrauten Strukturen des vergangenen Jahres sich auflösen und die des kommenden noch nicht greifbar sind, entsteht ein Schwebezustand, den viele Kulturen mit Ritualen füllen wollten – mit Lärm, Licht, Feuerwerk, Orakeln, mit guten Wünschen und symbolischen Reinigungen. Alles diente demselben Zweck: Orientierung zu schaffen, das Ungewisse zu besänftigen, sich selbst Mut zu machen.
Auch heute spüren wir diese Unsicherheit, vielleicht stärker denn je. Wenn das neue Jahr beginnt, sind wir nicht automatisch «neu». Wir nehmen unsere Gedanken, unsere Müdigkeit, unsere Hoffnungen und unsere Sorgen mit hinüber. Der Januar konfrontiert uns mit dieser Mischung aus Vorfreude und Unruhe. Er lässt uns spüren, wie ungewohnt sich ein Neubeginn anfühlen kann. Wir betreten das Jahr wie einen Raum, dessen Lichtschalter wir erst suchen müssen. Wir tasten uns voran, probieren die ersten Schritte aus, prüfen, ob der Boden trägt.
In dieser Phase ist es hilfreich, den Staub des alten Jahres bewusst aus den Kleidern zu klopfen. Nicht so, als könnten wir Vergangenheit einfach abschütteln – aber als symbolische Handlung, die uns erlaubt, innerlich ein wenig leichter zu werden. Solche Zäsuren sind gerade in schwierigen Zeiten wertvoll. Sie erinnern uns daran, dass wir Einfluss darauf haben, wie wir weitergehen. Sie schaffen Momente des Innehaltens, in denen wir erkennen: Es gibt eine Grenze, und wir durften sie überschreiten. Wir dürfen neu beginnen.
Der Januar lädt uns ein, uns Zeit für diesen Übergang zu nehmen. Er verlangt nicht das sofortige Funktionieren, kein perfektes Einhalten grosser Vorsätze. Vielmehr schenkt er uns ein leises, unaufdringliches Tempo. Er flüstert: «Komm erst einmal an.» In dieser Einladung liegt Trost, denn sie entlastet uns von der Vorstellung, dass Veränderung abrupt und vollständig geschehen müsse. Hoffnung wächst nicht durch Druck, sondern durch kleine, bewusste Schritte.
Deshalb ist es im Januar so wichtig, sich Gutes zu tun. Nicht als Flucht, sondern als bewusste Pflege. Ein Spaziergang, der frische Kälte ins Gesicht bringt. Ein wärmendes Getränk. Das Aufräumen nicht der ganzen Wohnung sondern eines Möbels, das zum Symbol für innere Ordnung wird. Ein Gespräch mit einem Menschen, der uns gut tut. All das sind Gesten, die uns helfen, uns im neuen Jahr zurechtzufinden – langsam, achtsam, freundlich.
So wird der Januar zu einem Monat der behutsamen Selbstzuwendung. Er schenkt uns die Möglichkeit, das neue Jahr nicht zu erobern, sondern zu begrüssen. Nicht zu stürmen, sondern zu öffnen. Und während wir uns hineinleben in diese neuen Wochen, entsteht ein stilles, aber kraftvolles Gefühl: Die Hoffnung kommt zurück, Schritt für Schritt.
Pfarrer Rolf Klopfenstein, Rapperswil-Wengi
Auch heute spüren wir diese Unsicherheit, vielleicht stärker denn je. Wenn das neue Jahr beginnt, sind wir nicht automatisch «neu». Wir nehmen unsere Gedanken, unsere Müdigkeit, unsere Hoffnungen und unsere Sorgen mit hinüber. Der Januar konfrontiert uns mit dieser Mischung aus Vorfreude und Unruhe. Er lässt uns spüren, wie ungewohnt sich ein Neubeginn anfühlen kann. Wir betreten das Jahr wie einen Raum, dessen Lichtschalter wir erst suchen müssen. Wir tasten uns voran, probieren die ersten Schritte aus, prüfen, ob der Boden trägt.
In dieser Phase ist es hilfreich, den Staub des alten Jahres bewusst aus den Kleidern zu klopfen. Nicht so, als könnten wir Vergangenheit einfach abschütteln – aber als symbolische Handlung, die uns erlaubt, innerlich ein wenig leichter zu werden. Solche Zäsuren sind gerade in schwierigen Zeiten wertvoll. Sie erinnern uns daran, dass wir Einfluss darauf haben, wie wir weitergehen. Sie schaffen Momente des Innehaltens, in denen wir erkennen: Es gibt eine Grenze, und wir durften sie überschreiten. Wir dürfen neu beginnen.
Der Januar lädt uns ein, uns Zeit für diesen Übergang zu nehmen. Er verlangt nicht das sofortige Funktionieren, kein perfektes Einhalten grosser Vorsätze. Vielmehr schenkt er uns ein leises, unaufdringliches Tempo. Er flüstert: «Komm erst einmal an.» In dieser Einladung liegt Trost, denn sie entlastet uns von der Vorstellung, dass Veränderung abrupt und vollständig geschehen müsse. Hoffnung wächst nicht durch Druck, sondern durch kleine, bewusste Schritte.
Deshalb ist es im Januar so wichtig, sich Gutes zu tun. Nicht als Flucht, sondern als bewusste Pflege. Ein Spaziergang, der frische Kälte ins Gesicht bringt. Ein wärmendes Getränk. Das Aufräumen nicht der ganzen Wohnung sondern eines Möbels, das zum Symbol für innere Ordnung wird. Ein Gespräch mit einem Menschen, der uns gut tut. All das sind Gesten, die uns helfen, uns im neuen Jahr zurechtzufinden – langsam, achtsam, freundlich.
So wird der Januar zu einem Monat der behutsamen Selbstzuwendung. Er schenkt uns die Möglichkeit, das neue Jahr nicht zu erobern, sondern zu begrüssen. Nicht zu stürmen, sondern zu öffnen. Und während wir uns hineinleben in diese neuen Wochen, entsteht ein stilles, aber kraftvolles Gefühl: Die Hoffnung kommt zurück, Schritt für Schritt.
Pfarrer Rolf Klopfenstein, Rapperswil-Wengi
