Monatsgedanken Februar 2026

«Zwischen ungegossenen Pflanzen und tiefen Fragen»
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Ich sitze vor dem Computer und sollte tiefsinnige, schöne Gedanken für die nächsten Monatsgedanken formulieren. Und was kommt mir in den Sinn? Nichts. Wobei – das stimmt so nicht ganz. Es kommen mir durchaus Dinge in den Sinn: Ich sollte mal wieder die Zimmerpflanzen giessen, das Tiefkühlfach abtauen, die Bettwäsche wechseln, Fotos ins Album kleben – und noch so einiges mehr. Es ist die immerwährende To-Do-Liste, modern auch «Mental Load» genannt, die sich in solchen Momenten meldet.

Ich vertagte das Schreiben. Später an diesem Tag hörte ich ein Interview mit Niklaus Brantschen, dem Jesuit und Zenmeister. Er sprach genau über meine Erfahrung: darüber, dass die vielen kleinen und grossen Termine, Pendenzen, Beschäftigungen und Verpflichtungen uns so sehr vereinnahmen, dass kaum noch Raum, Ruhe und Zeit bleiben für Tiefgründigeres.

Das Wesentliche ruft nicht laut, es drängt sich nicht in den Vordergrund. Und wenn eine tiefere Frage auftaucht, verspreche ich mir selber, später darüber nachzudenken. Später, wenn ich Zeit habe. Wenn es ruhiger ist. Dann, wenn alles erledigt ist.

Dabei ist mir längst bewusst, dass meine Pendenzen-Liste sich nie leeren wird. Kaum ist ein Punkt auf meiner imaginären Liste abgehakt, stehen schon zwei neue da. Und eigentlich ist das nicht schlimm. Es ist ein Zeichen dafür, dass das Leben im Fluss ist. Dass ich aktiv bin, engagiert, eingebunden. Leider führen die vielen To-Do’s oftmals dazu, dass ich versuche noch effizienter zu werden. Das Tempo steigt. Und auf dieser «Autobahn» bewusst einmal eine Raststätte anzufahren, ist gar nicht so einfach. Niklaus
Brantschen riet in seinem Interview, einmal einen ganzen Tag im Wald zu verbringen. Ohne Ablenkung. Einfach sein.

Beim Zuhören dachte ich: «Der kann ja gut so etwas raten – pensioniert und ohne Betreuungspflichten». Trotzdem klingen seine Worte nach. Ich merke, dass ich mich sehne nach solchen Wald-Momenten. Raum für scheinbar «Nichts». Raum für Gefühle, Fragen, Gedanken, die sonst keinen Platz finden. In meiner jetzigen Lebenssituation sind dies vielleicht keine ganzen Tage, aber Momente. Momente, in denen ich mir selbst erlaube, einfach da zu sein – zwischen ungegossenen Pflanzen und ungewechselter Bettwäsche.

Ein solcher Moment kann ein Gebet sein, eine Mediation, ein tiefes Durchatmen, Tagebuchschreiben, ein Spaziergang oder sonst eine kleine Auszeit.

Und so sitze ich noch immer vor dem Computer. Ich überfliege meine Zeilen und denke: Das ist ja wirklich nichts Neues, was ich hier schreibe. Hätte ich angesichts der aktuellen Lage nicht über eine der vielen bewegenden Schlagzeilen schreiben sollen? Über Crans-Montana, die Situation in Gaza, in der Ukraine, in Grönland, über das WEF? Vielleicht aber, führt uns gerade die Betroffenheit über all diese Dinge genau dorthin: Zum Stillwerden. Das ist nichts Neues, sondern das, was Gott am siebten Tag der Schöpfung tat. Und was sich wie ein roter Faden durch die Bibel zieht: Die Einladung zur Ruhe.

Und Gott segnete den siebten Tag und heiligte ihn, denn an ihm ruhte Gott von allem, das er
durch sein Tun geschaffen hatte. Genesis 2,3


Pfrn. Rahel Hofer, Rapperswil-Wengi