Monatsgedanken April 2026

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Die Gegenfrage
Im Frühling säe ich jedes Jahr Tomaten aus – und jedes Mal staune ich wieder. Winzige Samen, fast schon verdächtig unscheinbar. Und ein paar Monate später: stattliche Pflanzen, die sich benehmen, als hätten sie heimlich einen Fitnessvertrag abgeschlossen. Bei Bäumen ist der Vergleich von Samen und gross gewachsenem Baum noch viel frappanter.

Kein Wunder also, dass auch Jesus dieses Phänomen als Gleichnis verwendet:
Mit dem Gottesreich ist es wie mit einem Senfkorn – winzig klein am Anfang, aber am Ende gross genug, dass sogar die Vögel darin einziehen (vgl. Matthäus 13,31–32).

Jesus war überzeugt: Gottes Einfluss wächst. Langsam, unaufgeregt, ohne grossen Paukenschlag – aber stetig. Erst ein kleines Pflänzchen, dann ein Baum. Und irgendwann flattern Vögel herbei und machen es sich gemütlich. Wo Gottes Wille geschieht, da ist Leben, Gerechtigkeit und Frieden. Bloss: Gottes Wille geschieht noch längst nicht überall.

Und genau da bleibt noch einiges zu tun. Das zeigt diese kleine Parkbank-Unterhaltung:
Zwei Männer sitzen da. Fragt der eine: «Wenn du Gott eine Frage stellen könntest, was würdest du ihn fragen?»
Der andere: «Warum er all das Leid auf dieser Welt zulässt.»
Darauf der erste: «Und warum machst du es nicht?»
– «Weil ich Angst habe, dass er mich das Gleiche fragt!»


Die Frage des Mannes geht wohl so manch einem durch den Kopf, besonders beim Blick in die Nachrichten. Da gefällt mir die Sicht von Jesus, die weder das Leid erklärt noch die Schuldfrage aufnimmt. Sondern an der Hoffnung festhält: Das Gute ist da. Es wächst. Still. Beharrlich. Wie Hefe im Teig – ein weiteres Bild von Jesus. Unspektakulär, aber effektiv: Erst merkt man nichts, dann plötzlich geht alles auf.

Jesus hat Menschen motiviert, genau daran mitzuwirken. Und so ist eine Bewegung entstanden, die bis heute unterwegs ist. Natürlich hätten wir es gern etwas schneller – den fertig aufgegangenen Teig und den grossen Baum bitte sofort. Aber Wachstum hat seinen eigenen Rhythmus. Und leider keinen Turbo-Knopf.
Und falls Gott tatsächlich zurückfragen sollte, möchte ich wenigstens antworten können, dass ich nicht nur gefragt habe – sondern hin und wieder versucht habe, dem Baum ein bisschen den Boden zu bereiten.

Pfrn. Rahel Hofer